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Samstag, 22.05.2010, 10:04
Unsere Schule hat endlich einen mobilen Untersatz, ein Tuktuk. Das ist ein in Kenia übliches Gefährt auf drei Rädern, vorne sitzt der Fahrer, hinten ist Platz für bis zu drei Personen und es gibt noch einen kleinen Kofferraum.
Die Vorteile sind, dass es mit Diesel fährt undd en gibt es meistens. Benzin ist oft tagelang nicht erhältlich und dann nützt mir auch das tollste Auto nicht. Es ist sparsam, jeder kann es fahren, man braucht keinen Führerschein, es kommt überall hin, durch jedes Schlöammloch und den Berg hinauf, und es kostet nicht sopviel. Unserees ist nagelneu, dunkelrot und mit dem Schriftzug der Schule drauf.
Jetzt können wir Lebensmittel transportieren, Kinder schnell mal zum Arzt bringen, die Post holen usw.
Freue mich sehr.
Gabi


Donnerstag, 20.05.2010, 08:35
Ich werde oft gefragt, wie man auf die Idee kommen würde, in Kenia eine Schule zu bauen (manchmal auch mit dem Nachsatz: "Gibt es nicht bei uns auch Armut?" - Darauf komme ich später noch zurück.)

Nun, ich war immer schon ein engagierter Mensch, politisch und sozial, hab mich immer verantwortlich gefühlt, vor allem, wenn es irgendwo Ungerechtigkeiten gibt. Mit 13 hab ich damals mit Amnesty angefangen, dann Tierschutz, gegen Pelztiere und Legebatterien und mit 18, sobald ich mein erstes Geld verdient habe, hab ich Patenschaften übernommen. Für mich ist es selbstverständlich, dass man, wenn man etwas verdient, davon abgibt und für mich galt und gilt immer "der Zehnte" also 10%, mindestens. Anmerkung am Rande: Wenn man das konsequent macht, ist es geradezu, als wolle das Schicksal dafür sorgen, dass dieser Zehnte immer größer wird, man verhungert also nicht. Man muss sich nur mal trauen, anzufangen.

Das, was mich aber an allen großen Organisationen immer gestört hat, wude im Laufe der Jahre für mich auch immer weniger tolerierbar. Wenn ich einem meiner Kinder eine neue Hütte bauen lassen wollte oder der Familie ein Feld kaufen und Saatgut, hieß es immer: "Das geht nicht, es fließt jedes Extrageld in einen Topf und wir entscheiden dann für die Gemeinschaft". BEgründet wurde das immer damit, dass man keinen Neid erzeugen wolle. Inzwischen halte ich mich sehr viel in Afrika auf und kann nur sagen, es widerspricht vollkommen dem afrikanischen Denken. Auch dazu irgendwann mal mehr.
Das zweite, entscheidende war aber, dass ich unter sozialem Engagement nicht verstehe, dass man dafür bezahlt wird. Für mich ist das immer nur ehrenamtlich. Wenn ich heute in der Caritas angestellt bin und ein Gehalt beziehe, dann hab ich das Glück, dass ich in einer Firma arbeiten kann, die sozial eingestellt ist und etwas bewegt, aber dass ist ja nicht MEIN Engagement, ich habe einen Job. Und wenn alle Helfer auf Kosten der Spender irgendwo hinfliegen, in Katastrophengebiete oder wo auch immer, wenn die Spender das Hotel bezahlen und den Drink an der Bar, dann ist das kein soziuales Engagement.

Das alles wollte ich anders machen. Und ich will es zusammen mit der Bevölkerung und nicht als ein Geschenk und Freßpaket, das vom Himmel fällt. Ich will selbst lernen. Oft wissen meine afrikanischen Freunde viel mehr, vor allem aber - sie müssen da leben, ich kann wieder nach Hause fahren.

Und, für mich ganz wichtig und ein Vorteil kleiner privater Organisationen: Ich kann blitzschnell entscheiden und sofort etwas tun, muss nicht erst viele Menschen fragen und Besprechungen abhalten. Alles läuft direkt über tägliche SMS und Emails und wird sofort erledigt. Und da ganz viel von meinem eigenen Geld drin steckt, kann mir auch niemand unterstellen, dass ich mich vielleicht bereichern würde.

Morgen mehr, muss jetzt zu meinem Enkelkind.

Gabi


Mittwoch, 19.05.2010, 18:09
Unsere Familien leben in den landesüblichen Lehmhütten, meistens ist das ein Raum, man schläft am Boden und kocht vor der Hütte. Da es in Kenia zweimal im Jahr sehr, sehr heftig regnet (nicht vergleichbar mit dem, was wir hier unter Regen verstehen), passiert es natürlich immer wieder, dass solche Lehmhütten sich buchstäblich auflösen und die Familien keinerlei Schutz mehr haben. Eine neue Hütte kostet rund Euro 500,-, selbst diejenigen, die irgendeinen Tagelöhnerjob haben, verdienen rund 30 Euro im Monat, also unerschwinglich. Viele treffen dann die schlimme Entscheidung, sich irgendwo in den Slums in der Stat einen Raum zu mieten und sich damit noch abhängiger zu machen.

Wir versuchen dann zu helfen, bauen neue Hütten, oft dann gleich mit mehreren Räumen, kaufen Betten, denn nur dann helfen auch Moskitonetze und derzeit versuchen wir auch, immer gleich eine Toilette zu graben, also einfache Latrinen, um so vielen Krankheiten vorzubeugen.
Die meisten Kinder erleben zum ersten Mal, dass man auch in einem Bett schlafen kann.
Gerade heute haben wir es durch die Großzügigkeit einer Patenfamilie wieder geschafft, für eine Familie, mit der das Schicksal es wirkich nicht gut gemeint hat, solch eine Hütte zu errichten. Ich freue ich schon sehr auf die Fotos.

Gabi